Körpersprache beim Hund

Nachdem ich in den letzten Beiträgen viel über die Körpersprache von Menschen und deren Wirkung auf Hunde gesprochen habe, werde ich mich heute eingehender mit der Körpersprache von Hunden beschäftigen.

 

Grundsätzlich ist die Körpersprache des Hundes nicht extrem anders als die der Menschen. Jedoch wird sie sehr stark von den Emotionen und Stimmungen der
zugehörigen Menschen aber auch Tiere beeinflusst.

 

Die Bedeutung der Körpersprache eines Hundes sollte daher nie singulär betrachtet werden, sprich immer im Kontext mit der jeweiligen Situation und deren Beteiligten. Die Aktion eines Körperteils steht nie alleine, sondern muss immer im Gesamtkontext gesehen werden. Alle Signale – Beschwichtigungs-, Stress- und Drohsignale – sind zu beachten und bilden somit eine Einheit.

Häufige Fehlinterpretationen

Perfektes Beispiel dafür ist das immer noch sehr oft missinterpretierte Schwanzwedeln eines Hundes: Das kann für positive oder auch negative Aufregung stehen, worüber nur die entsprechende Situation Aufschluss geben kann. Ein Dackel, der mit seinem Oberkörper in einem Mauseloch steckt, wedelt sicher hoch erregt, aber definitiv ohne freundliche Absichten.

 

Ein weiteres gutes Beispiel ist das Entblößen der Zähne, was von vielen Menschen mit Aggression in Verbindung setzen. Hunde können ihre Zähne aber auch in einem ganz anderen Zusammenhang zeigen, wenn sie beschwichtigen wollen – das wird auch als „submissive grin“ (Unterwürfigkeits-grinsen) bezeichnet. Einige Hunde zeigen damit aber auch ihre Freude, sprich durch Anheben der Oberlippe und Zähne zeigen „lächeln“ sie in entspannten Situationen oder bei der freudigen Begrüßung eines Menschen.

Mythos - eine einheitliche Sprache

Da bei einigen Rassen - dank oft fragwürdiger „Schönheitsideale“ - die Zuchtkriterien und rassetypischen Merkmale maßgeblich verändert wurden, wurde auch die Möglichkeit der körpersprachlichen Kommunikation stark eingeschränkt.

 

Kurznasige Hunderassen mit vielen Gesichtsfalten, wie der Mops oder Bulldoggen, haben dadurch eine veränderte Mimik und daher auch eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten.


Rassen mit Ringelschwänzen oder von Haus aus immer hoch getragenen Schwänzen – wie beispielsweise Terrier, haben dadurch eine ganz andere Ausstrahlung und können gerne bzw. oft missverstanden werden. Und zu guter Letzt sind noch einige der nordischen und urtümlichen Rassen zu erwähnen, wie beispielsweise ein Akita, die einfach eine viel subtilere Gesichtsmimik besitzen und garantiert nicht weltweit mit allen Hunden kommunizieren können, wie Turid Rugaas so gerne vermitteln möchte.

 

„Was soll ein Alaskan Malamute von einem Rhodesion Ridgeback halten, der aufgrund einer Zuchtmanipulation durch den Menschen tagtäglich mit einer „Dauerbürste“ herum stolziert?“, fragt Günther Bloch ganz pointiert in seinem Buch "Der Wolf im Hundepelz" und bringt damit genau die Problematik schön auf den Punkt.

 

Ausdrucksmittel des Hundes

Was sind nun die Ausdrucksmittel eines Hundes im allgemeinen? Für die non-verbale Kommunikation setzen Hunde verschiedene Körperteile in unterschiedlicher Kombination ein.

 

Dazu zählen vor allem der Kopf mit Ohren, Augen, Stirn und Schnauze sowie die Rute, die gesamte Körperspannung und die Rückenhaare. Statur, Haltung und Körperspannung spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle für das optische Ausdrucksverhalten eines Hundes. Analog zum Menschen drückt ein aufgerichteter Hundekörper etwas anderes aus als ein runder Rücken. Mehr dazu erzähle ich euch im nächsten Blogbeitrag!

 

Die Körperhaltung ist somit ein (meist) deutliches Indiz für die Stimmungslage des Hundes.

 

Daher ist es so wichtig, das Ausdrucksverhalten seines eigenen Hundes zu erkennen und die Grundlagen der Körpersprache bei Hunden im Allgemeinen - dann sind Hundebegegnungen auch angenehme und, wenn man es nutzt, sehr lehrreiche Situationen!