Unsere Körpersprache & Haltung

Im letzten Beitrag habe ich bereits das Thema Augen und Blick angesprochen. Dazu nur noch ein paar weitere Worte, denn der Blickkontakt zwischen Hunden wird sehr oft übersehen und missinterpretiert.

 

Der direkte Blick bedeutet in der Hundewelt fast immer eine herannahende Konfrontation, denn das erste Drohsignal senden die Augen. Wer sein Gegenüber mit einem direkten, offenen Blick konfrontiert, der erhebt Anspruch auf etwas. Derjenige, der den Blick senkt, Kopf weg dreht oder ausweicht, unterwirft sich bzw. beschwichtigt.

 

Bei Hundebegegnung im Alltag, sieht man häufig diese drohfixierende Annäherung, die sehr oft als Spielverhalten fehlgedeutet wird. Gibt man den Hunden allerdings die Möglichkeit, einen Bogen um seinen Artgenossen zu machen und somit der Situation auszuweichen, können diese Begegnung dann auch sehr entspannt und ruhig verlaufen - sofern man nicht selbst extrem aufgeregt ist und den Hund locker an der Leine führt. Jedwede Spannung führt definitiv zu einem anderen Ablauf!

Blickkontakt positiv besetzen

Bereits im Welpenalter sollte man daher den Blickkontakt trainieren, damit dieser bei Menschen positiv besetzt und ritualisiert wird.

 

Bei einem Hund mit eingeschränktem Hörvermögen oder tauben Hund ist dies beispielsweise eine absolute Notwendigkeit, da nur durch Blickkontakt eine
Kommunikation auf Distanz möglich ist.

 

Der sogenannte „letzte Blick“ ist somit der Moment, in dem es noch möglich ist Ihren Hund beispielsweise zu stoppen oder auch ihn zu sich zu holen.

 

Ich habe diesen Blickkontakt mit meiner Hündin sehr intensiv geübt um ihr einen Freilauf zu ermöglichen – und zwar auch im Wald und auf den Feldern, wo es viele Verlockungen in Form von Wildtieren gibt. Nicht umsonst heißt es ja „Blicke sagen mehr als tausend Worte“!

Haltung bewahren - in jeder Situation!

Wie beim Menschen auch signalisieren gerade getragene Schultern Selbstsicherheit und Souveränität. Alles, was uns Menschen belastet, tragen wir wortwörtlich auf unseren Schultern.

 

Wir krümmen den Rücken, ziehen unsere Schultern hoch und fallen regelrecht in uns zusammen. Somit ist auch unsere Beweglichkeit eingeschränkt – das kann sowohl physischer als auch psychischer Natur sein.

 

Für einen Hund gilt analog das Gleiche.

Ein verunsicherter Hund wird sich nicht frei bewegen und auch nicht unbelastet seine Umwelt auf- und wahrnehmen können. Ein souveräner Hund hingegen, wird mit aufgerichteten Körper und Kopf durchs Leben schreiten.

 

Im Umgang mit Ihrem Hund sollten Sie daher immer beachten, wie Ihre Körperspannung aussieht und ob Sie mit lockeren, aber gerade getragenen Schultern die Kommunikation beginnen.

 

In gewissen Situationen kann sich ein Hund auch aufbauen, groß und breit machen – dieses Imponiergehabe versucht sich eben dieser Körpersprache zu bedienen. Ob dann auch eine entsprechende Haltung dahinter steht, zeigt sich dann im weiteren Verlauf der Begegnung. Oftmals ist es doch nur „heiße Luft“, was umgangssprachlich genau diesen Umstand klar definiert.

 

Wenn Menschen aber bewusst ihre Körpersprache einsetzen, um zu sehen, wie sich das Verhalten ihres Hundes dann entsprechend ändert, kommt oft ein „Aha-Effekt“. Grundvoraussetzung ist natürlich, dass der Hund überhaupt merkt, dass ‚sein’ Mensch jetzt mit ihm kommunizieren möchten.

 

Eine leicht nach hinten genommene linke Schulter, spricht beispielsweise in Kombination mit einer einladenden Armbewegung, eine freundliche Aufforderung mitzukommen aus. Eine nach vorne gezogene Schulter und somit ein leicht nach vorne gebeugter Oberkörper signalisieren eher eine blockierende Haltung, sprich sollte nur dann eingesetzt werden, wenn Sie auch von Ihrem Hund ein Stehenbleiben oder Stoppen erreichen wollen.

 

Ein weiteres Beispiel zum Testen der eigenen Körpersprache: wenn Sie z.B. die Aufforderung zum Sitz aussprechen und dies mit einem nach vorne gebeugten Oberkörper, leicht gekrümmten Rücken und neutraler Stimme tun, wird es ein entsprechendes Verhalten bewirken. Führen Sie nun die gleiche Aufforderung mit aufrechter, bestimmter Haltung und ebenso neutralem Tonfall aus, wird sich das Verhalten Ihres Hundes dementsprechend abändern.

 

Das Agieren bedeutet wiederum, dass er sehr wohl aufgenommen hat, wie sich die Körpersprache verändert hat – unabhängig vom Kommando. Ob sein verändertes Verhalten nun auch dem gewünschten entspricht, ist damit nicht gesagt  ;-) – aber er wird auf die veränderte Körpersprache reagieren.

Hunde sind – wie bereits erwähnt – Meister im Lesen der menschlichen Körpersprache: kommunizieren sie doch selbst vorrangig mittels Körper und Mimik.

 

Die menschlichen Leistungen auf diesem Gebiet sind bei weitem nicht so herausragend: Wenn ein Mensch Angst vor einem Hund hat, bleibt dieser meist stehen und starrt ihn an - anstatt zur Seite zu blicken oder sich wegzudrehen. Wenn Menschen einen Hund allerdings süß und nett finden, beugen sie sich zumeist über ihn und betatschen seinen Kopf – anstatt in die Knie zu gehen und seine Schulter oder Brust zu kraulen.

 

Aus Hundesicht sind wir Menschen häufig eine einzige große Bedrohung!

 

Daher ist es so wichtig, die Signale zu erkennen und ein paar Grundregeln der hündischen Kommunikation zu erlernen - dann klappt auch Ihre Unterhaltung mit Ihrem oder auch anderen Hunden viel besser.